Videojournalismus mit Spiegelreflexkameras: Möglich, wenn genug Zeit ist

Steffen Leidel, Journalist und Trainer bei der Deutschen Welle, hat getestet, ob und wie sich Spiegelreflexkameras (kurz DSLR) für den Einsatz in Redaktionen eignen. Dabei ist dieser Beitrag am Ende entstanden:

African Migrants in Nijar/Spain from 10000Stories on Vimeo.

Test wie diesen gibt es bereits schon einige – jedoch wird dafür in der Regel teures oder aufwändiges Equipment genutzt.  Steffen Leidel hat sich auf das notwendigste beschränkt und kommt zu ähnlichen Ergebnissen, die ich auch beim Filmen mit einer Canon D600 gemacht habe: Die Kameras schießen schöne Bilder, allerdings sind schnelle Bewegungen, Schärfeänderungen sowie der Ton eine riesige Hürde für den “schnellen” Beitrag. Wenn man viel Zeit mitbringt, z.B. für einen “schöne” Reportage eignet sich die Technik auf jeden Fall. Oder wie in diesem Beispiel einfach für ein paar Straßenszenen aus Ho Chi Minh City:

Ho Chi Minh City Streetlife from Aroundtheglobemedia on Vimeo.

Veröffentlicht unter Video | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hörempfehlung: Über Algorithmen, Newsbots und Rivva

mojitos und kräne
Creative Commons License photo credit: pastpackingday

Der Rivva-Entwickler Frank Westphal war beim Dradio-Wissen Online-Talk zu Gast. Rausgekommen ist eine interessante Stunde Gespräch darüber, wie sich Trends und Themen im sozialen Netz erkennen lassen, wie Newsbots und Algorithmen funktionieren und wie ein einzelner Programmierer fast an seinem Code und den damit zusammenhängenden Problemen verzweifelt ist.

Die Algorithmen-Debatte (u.a. von Katrin Passig in der SZ zusammengefaßt) und das Problem der Filter-Blase kommentiert Westphal wie folgt:

“Die Idee von einem Empfehlungssystem ist ja tatsächlich, dass es die Dinge empfiehlt, auf die man nicht direkt gekommen wäre. Wenn ich bei Amazon jetzt immer noch die Artikel empfohlen bekomme, wo ich vor zehn Jahren einmal ein Geburtstagsgeschenk bestellt habe, das wäre nicht im Sinne es Erfinders. Ein guter Empfehlungs-Algorithmus führt mich über den Tellerrand.”

Hier die Audio-Datei des Gesprächs (MP3).

Veröffentlicht unter Onlinejournalismus, social media, user generated content | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gephi-Projekt: Wulff und die “Maschsee-Mafia”

Bundespräsident Christian Wulff steht derzeit im Kreuzfeuer der Medienkritik, da er in seiner Zeit als Ministerpräsident ein Privatkredit zu günstigen Konditionen angenommen haben soll. In dem gleichen Zusammenhang (und bereits lange vorher) wurde von einigen Medien das Netzwerk beleuchtet, das nicht nur Wulff, sondern auch den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder umgeben soll – plakativer Titel: „Die Maschsee-Mafia“.

Dazu sollen u.a. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, TUI-Chef Michael Frenzel und Ex-Hannover-96-Präsident Martin Kind gehören. Ganz schön unübersichtlich – weshalb ich einmal den Versuch gestartet habe, das ganze grafisch darzustellen. Abgebildet sind alle in Artikeln von FAZ, taz und Hamburger Abendblatt erwähnte Verbindungen – ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

Das ganze wurde mit Gephi erstellt. Ein PNG-Version läßt sich hier herunterladen.
Weitere Vorschläge? Bitte in die Kommentare!

UPDATE 21.12.2011: …oder in dieses Google Dokument:

Bitte jeweils mit “seriöser” Quellenangabe. Da die Herrschaften sehr streitfreudig sind und ich wenig Zeit für Rechtsstreitigkeiten habe, bitte von Äußerungen, die theoretisch in Richtung “Verleumdung” oder “Beleidigung” gehen könnten absehen, bzw. aus dem Medium zitieren. Für die Einträge von Nutzern in dem Google Doc übernehme ich keine Haftung.

Update 3.1.2012: Es gibt eine GraphML-Datei mit zahlreichen neuen Verbindungen.

Veröffentlicht unter Data Driven Journalism, Medien, Recherche | 28 Kommentare

Statt Storify: 4 Plugins fürs Kuratieren mit WordPress

Van Gogh Museum, Amsterdam
Creative Commons License photo credit: jan.tito

Drüben auf der englischen Seite dieses Blogs habe ich eine Liste mit WordPress-Plugins zusammengestellt, mit denen sich zahlreiche Funktionen der Kurations-Plattform storify.com nachahmen lassen. Weiter geht’s nach dem Klick.

Veröffentlicht unter Kuratieren | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Obama und Steve Jobs: Bescheuert, diese Zeilenumbrüche

…vor allem wenn man die News Alerts der New York Times auf dem Smartphone lesen will:

Veröffentlicht unter kurz protokolliert | Hinterlasse einen Kommentar

“Planet Money”-Macher Adam Davidson: Die Geheimsprache der Finanzwelt verstehen

Hat Bitcoin die Chance, eine Alternative zum Dollar zu werden? Warum lagern in den Kellern der US-Notenbank immer mehr Dollar-Münzen, die keiner haben will? Und nach welchen Gesetzen funktioniert die Wirtschaftswelt der Drogen? Was im Sommer 2008 als Projekt begann, läuft in dieser Woche zum 300. Mal: Der Podcast „Planet Money“ des amerikanischen öffentlich-rechtlichen Radionetzwerks NPR. Zweimal pro Woche versucht seitdem Adam Davidson (Twitter), seinen Hörern die Gründe für den Finanzcrash und seine Folgen zu erklären.

Glückwunsch, in dieser Woche läuft die 300. Folge von „Planet Money“. Sie haben 2008 begonnen als die Immobilienblase in den USA plazte – und gerade in der vergangenen Woche gingen die Börsen weltweit wieder in die Knie. Anscheinend ist kein Ende in Sicht, oder?

Adam Davidson (c) NPR

Wir müssen daran glauben, dass alles irgendwann wieder normal sein wird. Aber dieser Tag ist noch sehr weit weg. Hätten Sie mir bei der ersten Folge gesagt, dass wir bei Episode 300 immer noch mitten im Schlamassel stecken würden, hätte ich das nicht geglaubt.

Wie schlimm ist die Situation denn wirklich?
Wir in den USA oder Deutschland haben Glück. Wir sind in Ländern aufgewachsen, die für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte nur ein wirtschaftliches Wachstum kannten. Aber die Krise jetzt, das ist mehr als nur ein kleines Stolpern, das wird ganze Generationen beeinträchtigen. Hier in den USA haben wir immer noch das riesige Problem der Zwangsversteigerungen. Und Ihr in Europa habt noch schwerere Probleme: Ihr müsst herausfinden, wer Ihr seid und was Ihr wollt und wer zum Club dazugehören soll. Ich mache ungern wirtschaftliche Vorraussagen, denn da hat man die Garantie dass man falsch liegt, aber ich denke, wir haben noch viele schwere Jahre vor uns.

Alles begann 2008 mit der preisgekrönten Reportage “A Ginat Pool of Money”, in der zum ersten Mal anschaulich erklärt wurde, wie die Auswirkungen der platzenden Blase aussehen. Wie wurde daraus ein Podcast, der zweimal in der Woche produziert wird?
Lange Zeit hat mich Wirtschaft kalt gelassen. Mein Vater ist Schauspieler, meine Mutter macht etwas mit Tanz – Finanzen und Börse seien langweilig, wurde mir gesagt. Mich hat es aber frustriert, dass die Wirtschaft nur etwas für Insider war. Für Leute, die die geheime Sprache verstehen konnten. Mein Ziel war es, diese Sprache zu entschlüsseln und für Nicht-Experten zu übersetzen. Das Projekt „A Giant Pool“ of Money aus dem der Podcast dann entstanden ist, sollte zeigen, dass Wirtschaft und Finanzen spannend sein können – und sogar Spaß machen.

Senderchefs in Europa hätten einem Radio-Projekt, das ausschließlich im Internet läuft, wohl schwer zustimmen können? Wie konnten Sie Ihren Boss überzeugen?
Ich glaube, dass die Verantwortlichen verstanden haben, dass die Tage des normalen UKW-Radios gezählt sind – vielleicht in zwei, fünf oder zwanzig Jahren. Unser Podcast ist ein Experiment, um zu sehen, wie On-Demand-Audio für ein Nischenthema funktionieren kann.

Und, funktioniert das Nischen-Thema?
Das ist das erstaunliche: Wenn ich Berichte für unsere normalen Radiosendungen mache – da hören pro Woche 25 Millionen Menschen zu – bekomme ich eine Handvoll Emails pro Jahr. Den Podcast laden rund 200.000 Menschen herunter, und wir bekommen dutzende Rückmeldungen jeden Tag. Sehr kluge, spannende Emails mit interessanten Fragen. Es ist eine ganz andere Beziehung zu den Hörern.

Und was sagen die Finanz-Profis?
Uns hat das sehr überrascht, wie viele Menschen uns hören, die im Finanzbusiness arbeiten. Ich glaube das liegt an der hohen Spezialisierung der Menschen: Als Bond Trader handelst Du nur mit bestimmten Anleihen, als Aktienhändler nur mit einer überschaubaren Zahl an Titeln. Die interessiert auch das große Ganze, der Überblick.

Was wurde eigentlich aus “Toxie”, dem “Giftpapier”?
Zwei unserer Reporter hörten immer wieder den Begriff “toxic asset” in den Nachrichten. Die haben sich gefragt: Was ist das? Warum besitzt jemand so etwas? Und was passiert damit? Wir haben also ein Giftpapier gekauft – was nicht so einfach war. Aber es ein toll Weg, um zu erklären, was an diesen Papieren so problematisch ist. Wir haben es auf den Namen Toxie getauft und lange Zeit begleitet, bis es schließlich von uns gegangen ist. Seitdem wird Toxie schmerzlich vermisst.

Es gibt viele Wirtschaftsjournalisten, aber nur wenige schaffen es, auf verständliche Weise zu erklären, was derzeit in der Welt passiert. Woran liegt’s? Ist die Wirtschaft zu complex oder ist das ein Problem des Journalismus?
Die Finanzwelt ist hochkomplex, sehr undurchsichtig – und wenn Finanzjournalisten ehrlich wären, würden sie zugeben, dass sie vieles selbst nicht verstehen. Das Problem ist, dass die Wirtschaft über Jahrzehnte ohne Probleme funktioniert hat und damit ein Thema für die Experten war. Genau wie das Elektrizitäts- oder Wassernetz: Es funktioniert halt. Es ist sehr langweilig – solange, bis es in die Brüche geht. Und plötzlich ist es sehr, sehr wichtig zu verstehen, weil alles andere, was auf der Welt passiert, davon abhängt. Viele die es verstehen, wollen oder können es nicht in eine Sprache übersetzen, die normale Leser oder Zuhörer verstehen. Da muss etwas passieren! Kein Medienunternehmen kann mehr ohne Journalisten auskommen, die ein tiefes Verständnis von der Welt der Wirtschaft und Finanzen haben und es gut erklären können.

Sie selbst seinen eine richtige Leidenschaft für Finanzthemen zu haben. Ist das nach 300 Podcast-Folgen immer noch so?
Ich würde nicht sagen, dass ich eine angeborene Leidenschaft habe. Für mich war es spannend, diese geheime Sprach der Finanzwelt zu verstehen. Aber die Finanzwelt wird meist von sehr Reichen Menschen beherrscht. Nichts gegen Reiche, ich gönne Ihnen jeden Cent. Aber ich habe viel Zeit in Haiti und mit sehr armen Amerikanern verbracht, und für diese Menschen steht sehr viel mehr auf dem Spiel. Vielleicht werde ich mich bald eher diesen Themen widmen.

——————————————

RSS-Link: http://www.npr.org/templates/rss/podlayer.php?id=93559255

iTunes-Link: itpc://www.npr.org/templates/rss/podlayer.php?id=93559255

Read this post in English.

Veröffentlicht unter Medien, Podcast | 2 Kommentare

Kurz protokolliert: Transmedia Storytelling is Bullshit, BBCs Zukunftsideen und die unbekannten New Yorker

  • Transmedia Storytelling is Bullshit… sagt Mike Jones, der als Journalist, Dozent und Drehbuchautor gearbeitet hat.

    The notion that simply because a story may be carried in parallel across multiple mediums of tv, game, internet and mobile device should mean it is somehow a wholly new breed of storytelling is not just absurd, it is arrogantly ignorant of history. [...] Not every story needs a twitter feed for God Sake! Not every story must have a Facebook page! Not every story warrants an augmented reality game…!

  • Wie die BBC über die Gegenwart und Zukunft von Storytelling denkt, hat Ralph Rivera (ausgestattet mit dem fantastischen Titel “Director of Future Media”) in diesem Vortrag (Youtube-Video) dargelegt.
  • Journalistenschüler der Columbia University haben ein kleines, feines Video-Projekt auf die Beine gestellt: Unsung New Yorkers erzählt die unerzählten Geschichten über die unbekannten Menschen, die eine Stadt am laufen halten.
Veröffentlicht unter kurz protokolliert | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar