15. März 2008

Einrichtung eines Classrooms mit Xampp und Wordpress

Classroom-Xampp-TeaserbildFür den Einsatz eines Content-Management-Systems wie Wordpress in einem Online-Seminar gibt es mehrere Möglichkeiten. Die einfachste: Es können Online-Bloganbieter wie wordpress.com oder blogger.com genutzt werden, um die Funktionalität eines einfachen Web-CMS zu verdeutlichen. Sollen die Teilnehmer jedoch auch die komplette Installation bzw. die Administration des Systems nachvollziehen können, reicht das nicht aus. Dann müssen auf einem eigenen Webserver Datenbanken und Webspace für jeden einzelnen Seminar-Teilnehmer eingerichtet werden. Es gibt jedoch noch eine weitere Möglichkeit: Die Arbeitsumgebung wird auf einem lokalen Rechner eingerichtet, der dann als ‘virtueller’ Webserver für das Mini-Internet fungiert. Das Ganze soll im Folgenden kurz erläutert werden.

I. Aufbau des Classrooms

In diesem Beispiel wird von einem Klassenraum mit insgesamt elf Rechnern ausgegangen, neun davon sind für Teilnehmer eingeplant, einer für den Dozenten sowie einem PC, der als DHCP-Server in diesem Netzwerk fungiert – und somit auch prädestiniert ist, als Webserver genutzt zu werden.

Ausbau Classroom

Auf den Teilnehmer-Rechnern wird lediglich ein Web-Browser, z.B. Firefox, ein ZIP-Programm, z.B. 7-zip, sowie ein FTP-Client benötigt. Gute Erfahrungen konnten mit FileZilla gewonnen werden (Der FTP-Client FileZilla ist nicht zu verwechseln mit dem FTP-Server FileZilla, der ebenfalls in dieser Anleitung eine Rolle spielt).

II. Einrichten des Webservers

Auf dem Rechner, der auch als DHCP-Server für das kleine Netzwerk (Local Area Network) arbeitet (IP-Adresse 192.68.1.1), muss im nächsten Schritt die Software für den Webserver installiert und eingerichtet werden. Auch hier gibt es wieder verschiedene Software-Möglichkeiten, die zum Teil unter offenen Nutzerlizenzen im Netz angeboten werden. In diesem Beispiel wird das Paket XAMPP (Lizenzinformationen hier) der deutschen Non-Profit-Organisation ApacheFriends verwendet.

Das Paket ist rund 25 MB groß und kann für Windows, Linux, Mac OS und Solaris heruntergeladen werden.

Das XAMPP-Paket umfasst u.a. die drei Anwendungen, die für die Einrichtung benötigt werden:

a) Den Apache-Webserver, der – einfach erklärt – dafür sorgt, dass zum Beispiel die abgelegten HTML-Dateien nicht als Codegewurschtel angezeigt werden, sondern in ihrer vollen Schönheit mit Bildern, Links usw;

b) die MySQL-Datenbank, die die dynamischen Inhalte speichert, die über das Content-Management-System – also zum Beispiel Wordpress – eingegeben werden;

c) FileZilla, der FTP-Server, der anderen Benutzern erlaubt, Dateien auf diesem Rechner hoch- oder herunterladen.

Nach erfolgreichem Download muss XAMPP installiert werden – am besten nicht im Standardverzeichnis C:\Programme, sondern beispielsweise unter C:\Online – der Übersichtlichkeit halber. Im Rahmen der Installation unter Windows XP wird gefragt, ob Apache, MySQL und Filezilla als Dienst installiert werden solle; dem kann zugestimmt werden. Mercury, der Email-Server, wird in der Regel nicht benötigt.
Auf dem Webserver-Rechner befindet sich unter Start > Programme > Apachefriends > Xampp nun eine Verknüpfung zum Xampp Control Panel. Öffnet man das CP sollte es wie folgt aussehen:

XAMPP Control Panel

Im Infobereich von Windows XP taucht gleichzeitig auch ein Status-Icon auf.

Wie an der dritten Spalte in dem Statusfenster zu sehen, laufen alle drei benötigten Tools, der Apache-Server, die MySQL-Datenbank und der FileZilla-FTP-Server. Das grüne Häkchen in der ersten Spalte bedeutet, dass die Anwendungen als Dienst bei Windows XP installiert sind und in der Regel beim Systemstart automatisch mitgeladen werden. Mit einem Klick auf STOP lassen sich die Anwendungen stoppen und evtl. neustarten.

Um zu testen, ob das System wirklich läuft, muss man einfach im Browser http://127.0.0.1 oder http://localhost eingeben, es sollte sich dann automatisch die XAMPP-Konfigurationsseite öffnen. Eine weitere Möglichkeit ist, die IP-Adresse des Rechners im Netzwerk – in diesem Fall also http://192.168.1.1 zu verwenden.

Der Browser zeigt jetzt den Inhalt des Verzeichnisses C:\Online\xampp\htdocs an. Dieses Verzeichnis ist nun quasi die Startseite unseres Mini-Internets.

IP-Server

III. FTP-Benutzer anlegen und Webspace-Verzeichnisse zuweisen

Wenn man sich bei einem Internet-Service Provider etwas Webspace und einen Datenbank besorgt, bekommt man in der Regel die Daten (Benutzernamen, Passwörter, etc) für diese Rescourcen gleich mitgeliefert. In unserem Fall müssen wir selbst als ‘Betreiber’ des Webservers diese Daten bereitstellen.

Für diesen Zweck legt man mit dem Windows Dateiexplorer für jeden Teilnehmer ein Unterverzeichnis an.

Als nächstes öffnet man das Xampp Control Panel und klickt auf den Admin-Knopf des FileZilla-FTP-Servers.

Filezilla Control Panel

In dem FileZilla-FTP-Server müssen nun die einzelnen Konten für jeden Benutzer angelegt und die Zugriffsrechte auf die Verzeichnisse vergeben werden, damit jeder Teilnehmer, wenn er sein FTP-Client aufruft auch nur wirklich in seinem zugewiesenen Verzeichnis arbeitet und nicht in denen der anderen Teilnehmer.

Im FileZilla-Menü Edit > Users aufrufen.

Filezilla user administration

In der rechten Spalte auf ‘Add’ klicken und den Namen des neuen Users eingeben (z.B. ‘frank’), der kann z.B. mit dem Vornamen des Teilnehmers identisch sein. Unter ‘Acount Settings’ vergibt man ein Passwort (z.B. ‘frank-ftp-pw’). Als nächstes wählt man in der linken Spalte ‘Shared Folders’ aus und klickt in der Mitte auf ‘Add’. Im neuen Fenster dann das Verzeichnis des Teilnehmers auswählen (z.B. C:\Online\xampp\htdocs\frank) und bestätigen. Rechts daneben unter ‘Files’ und ‘Directories’ können getrost alle Häkchen ausgewählt werden – damit bekommt der Nutzer die Möglichkeit, Dateien und Verzeichnisse zu beschreiben und zu löschen.

Damit ist der erste FTP-Benutzer erfolgreich angelegt. Nun kann man entweder diesen Schritt für jeden weiteren Nutzer wiederholen oder ‘frank’ aus der Liste rechts auswählen, auf ‘Copy’ klicken und unter einem neuen Namen abspeichern – auch dann müssen allerdings Passwort und die ‘Shared Folder’ neu ausgewählt werden.

Zum Testen, ob es geklappt hat, kann von einem der Teilnehmerrechner der FTP-Client aufgerufen und mit den Login-Daten gefüttert werden. Als Host muss die IP-Adresse des Servers, also 192.168.1.1 ausgewählt werden. Der Zugriff kann natürlich nur funktionieren, wenn der FTP-Server FileZilla auf dem Server läuft.

IV. Datenbank einrichten

Im nächsten Schritt werden die Login-Daten für die Datenbanken bereitgestellt. Dafür muss im Browser die Verwaltung der MySQL-Datenbanken unter http://localhost/phpmyadmin/ aufgerufen werden. Auf das Icon ‘Rechte’ klicken und ‘Neuen Benutzer hinzufügen’ auswählen. Die Felder für Benutzername (z.B. ‘frank’), Host (‘localhost’) und Kennwort (z.B. ‘frank-db-pw’) ausfüllen, unter ‘Globale Rechte’ nichts auswählen und auf OK klicken.

MySQL user

Der neue Nutzer ist nun angelegt, im gleichen Fenster erscheint dann die Box ‘Datenbankspezifische Rechte’, in der per Textfeld gleich eine neue Datenbank für den Nutzer angelegt werden kann. Im folgenden Fenster müssen nun die Rechte für die neue Datenbank zugewiesen werden, in diesem Fall unter ‘Datenbankspezifische Rechte’ alle auswählen und OK klicken.

mysql-user 2

Dieser Prozess kann nun für jeden einzelnen Teilnehmer wiederholt werden.

Damit liegen nun alle relevanten Daten für die Teilnehmer vor. Für unseren Beispiel-Nutzer Frank sehen die so aus:

FTP-Host: 192.168.1.1

FTP-Login: frank

FTP-Passwort: frank-ftp-pw

Dabenbank-Host: 192.168.1.1

Datenbank-Name: frank

Datenbank-Passwort: frank-db-pw

Alle weiteren Schritte können nun von den Teilnehmern selbst vorgenommen werden, damit der komplette Installationsprozess nachvollziehbar wird.

V. Installation der CMS-Software

Die Teilnehmer sollten unter http://wordpress.org/ die neuste Version der Blog-Software herunterladen, auf dem eigenen Rechner entzippen und dann per FTP auf ihren zugewiesenen Webspace hochladen. Anschließend muss die Konfigurationsseite aufgerufen werden. Dafür einfach die Webspace-Adresse (z.B. http://192.168.1.1/frank) eingeben. In den folgenden Installationsschritten müssen die Datenbank-Logindaten eingetragen werden (Achtung: auch hier darauf achten, dass die Host-Adresse 192.168.1.1 lautet) und fertig ist die Wordpress-Installation. Als Arbeitserleichterung können nun noch die Adressen des Blog sowie die Administration-Seite gebookmarked werden.

Jeder Teilnehmer kann nun problemlos an seinem eigenen Blog arbeiten und beispielsweise Themes oder Plugins installieren, kann sich zu jedem Zeitpunkt aber die Produkte der anderen Teilnehmer anschauen.

VI. Bekannte Probleme

- Der Server muss ausreichend Rechenkapazität und Speicherplatz haben, damit sich z.B. der FTP-Upload der Wordpress-Dateien nicht zu lange hinzieht. Ist die Installation einmal überstanden, sollte die normale Arbeit nicht all zuviele Ressourcen in Anspruch nehmen.

- Bei vielen gleichzeitigen Anfragen kann der Apache-Server zusammenbrechen. Ein Neustart des Servers über das XAMPP-Control Panel reicht meist aus, um das Problem zu beheben.

- Einige Programme (z.B. Skype) blockieren den Port des Apache-Servers, so dass er nicht startet.

- Je nach Firewall-Konfiguration kann der Web- oder FTP-Zugriff der Teilnehmer auf den Server blockiert sein.

Comments (1)

  1. 16. März 2008
    Matthias said...

    Mensch Claus, das ist toll! Endlich mal jemand, der sich die Mühe macht, eine vernünftige Anleitung ins Netz zu stellen. Vielen Dank! Wirst sofort in die Blogroll aufgenommen :-)

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