12. März 2009

Qik, Mogulus, Make.TV – wie werde ich zum Brender?

Das Sendungsfenster von make.TV

Derzeit kämpft ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender um seinen Job – und für die Rundfunkfreiheit. Sollte es jedoch nicht klappen, gibt es mittlerweile spannende Alternativen im Netz. Heute kann jeder mit wenigen Klicks zum Programm-Chef seines Senders werden. Während noch vor ein paar Jahren umständlich irgendwelche RealStream-Server aufgesetzt werden mussten, reicht heute die Anmeldung auf den verschiedenen Streaming-Portalen. Hier eine Übersicht.

Außer kreativen Ideen benötigt der heimlich TV-Mogul lediglich eine Bildquelle, einen Rechner mit Internetbrowser und Flash-Plugin sowie eine halbwegs schnelle Internet-Verbindung. Für die Aufnahme reicht in der Regel eine Webcam, bessere Qualität wird natürlich mit einem über USB oder Firewire angeschlossenen Camcorder erreicht.

1. Mogulus-TV

Die wohl bekannteste Livestream-Webseite Mogulus.tv überrascht mit einem großen Funktionsumfang. Einmal registriert, lässt sich in wenigen Schritten der eigene Online-TV-Sender einrichten. Dabei kann der Nutzer auf mehreren “On-Air-Designs” – also der grafischen Erscheinung seines Senders – auswählen, Senderlogos und Pausenbilder hinzufügen.

Mogulus Studio-Oberfläche

Mogulus Studio-Oberfläche

Das Herz von Mogulus.TV ist das Studio – genauer müsste es heißen: Die Senderegie. Hier lassen sich die zuvor eingerichteten (Web-)Kameras live auf den Sender schalten. Generell ist es also möglich, eine eigene Sendung mit Moderator/in zu fahren, bei der zwischendurch zum “Field-Reporter”, Korrespondenten oder Experten geschaltet wird. Dieser braucht lediglich Laptop mit Webcam, Internetverbindung und muss für den Sender freigeschaltet sein. Es lassen sich sogar Live-Bilder vom Handy einspeisen, die über den Dienst Qik (ausführliche Informationen weiter unten) gesendet werden.

Der Regisseur im Mogulus-Studio, das vollständig mit Flash programmiert ist, kann zwischendurch Beiträge abfahren, sogenannte Bauchbinden sowie Livecrawls (auch externe Nachrichten über RSS-Feed), Programmtafeln und ähnliches einblenden. Die Beiträge werden in der Regel zuvor auf Youtube hochgeladen und können dann ins Programm integriert werden.

Hat der Senderchef einmal Feierabend, kann er den Autopiloten anwerfen. Dieser spielt dann in einer Endlosschleife entweder ein Pausenbild oder vorher ausgewählte Beiträge ab – solange, bis man wieder live auf Sendung geht.

Der Fernsehkanal kann relativ einfach mit embed-Code in eine Webseite oder ein Blog integriert werden, wobei sich selbst die Größe und das Aussehen des Players anpassen lässt. Die gestreamte Qualität ist nicht wirklich brilliant, aber generell ok.

Die Vielfalt der Möglichkeiten hat aber auch ein paar Schattenseiten. Als Studio-Chef braucht man schon einen großen Monitor, um den Überblick zu behalten. Mogulus ist keie Anwendung für Netbooks. Und manchmal läuft das ganze System sehr schleppend.

2. Make.TV

Die Studio-Umgebung von Make.tv

Die Studio-Umgebung von Make.tv

Make.TV ist das deutsche Pendant zu Mogulus, ein Startup aus der Kölner Schanzenstraße, hinter dem die Macher der fotocommunity.de stecken. Im Vergleich zum US-Konkurrenten bietet das Studio sogar noch mehr Möglichkeiten. Zwar ist die Oberfläche auf den ersten Blick nicht wirklich übersichtlich, aber nach ein wenig Übung ist die Handhabung sogar noch leichter als bei Mogulus, da viele Aktionen via Drag&Drog aublaufen. Noch gezielter können so Live-Einspielungen vorbereitet werden – z.B. Bildgröße und Ton angepasst werden. Ähnlich wie bei Photoshop kann einfach die Größe des Auschnitts verändetr werden.

Auch der Upload von eigenen Videos läuft schneller als bei Mogulus. Dafür – und für die Aufzeichnung der eigenen Sendungen – stehen jedem Nutzer 5 GB zur Verfügung.

Auch hier lassen sich wieder Bauchbinden, Tafeln und Scrollticker konfigurieren und abspielen.

Das Sendungsfenster von make.TV

Das Sendungsfenster von make.TV

Obwohl der Dienst an einigen Stellen noch verbesserungsfähig erscheint, ist es die derzeit beste Video-Livestreaming-Lösung im Netz.

3. Justin.TV

Einfach zu bedienen, aber sehr begrenzt in den Möglichkeiten: Bei Justin.tv lässt sich nur eine einzige Kamera streamen. Zwar gibt es auch hier eine Chat-Integration und sogar ein Einsatz vom Mobiltelefon ist möglich, doch auch dass kann unterm Strich nicht überzeugen.

4. USTREAM

Der Dienst USTREAM ist der Veteran unter den kostenlosen Live-Streaming-Angeboten im Netz. Auch hier ist die Anmeldung genauso einfach  wie die Handhabung. Allerdings sind die Möglichkeiten im Vergleich zu make.tv oder Mogulus sehr begrenzt. Zwar können auch die Webcams mehrerer Nutzer zusammengeschaltet werden, und auch eine Twitter-Integration ist vorhanden, jedoch sind damit die Features eigentlich ausgereizt.

5. Qik

Nicht nur bei Sascha Lobo, Ashton Kutcher und Thomas Knüwer erfreut sich das Video-Streamen vom Mobiltelefon großer Beleibtheit. Zunächst als Geheimtipp gehandelt, hat sich Qik mittlerweile eine große Fangemeinde erobert.

Das System klingt einfach: Auf dem Mobiltelefon wird ein kleines Programm installiert und sobald die Handy-Kamera angeworfen wird, ist der Weg zum Livestreamen ins Netz frei. Gleichzeitig werden die Streams aufgezeichnet und können anschließend “on demand” verfügbar gemacht werden. Alles was man braucht ist ein Handy mit UMTS-Datenflatrate oder Wlan-Verbindung.

Allerdings ist die Qualität je nach Verbindung eher mies (während YouTube nun auf HD-Videos setzt, nimmt Qik anscheinend die Position ein). Und auch mit der Verlässlichkeit hapert es immer mal wieder: Mal streikt das Handy, dann die Anwendung oder die Übertragung ins Netz. Und: Noch werden längst nicht alle Handytypen unterstützt.

6. YouTube

YouTube als Abspielstation für Videos: längst bekannt. Aber angeblich wird bei dem Unternehmen derzeit auch an einer Livestreaming-Lösung gearbeitet. Laut TechCrunch sollte die eigentlich schon 2008 starten. Doch bislang ist davon noch nichts zu sehen. Dass es technisch möglich ist, zeigte YouTube selbst im Herbst 2008. Damals wurde ein Popkonzert erstmals live gestreamt.

7. Yahoo Live

Nicht einmal ein Jahr hat der Video-Service von Yahoo überlebt. Im Frühjahr 2008 gestartet, wurde das Projekt im Dezember auch schon wieder eingestellt – anscheinend, weil sich zu wenige Nutzer dafür interessiert hatten.

8. T-Systems: Mobiler Reporter

Auf der Cebit 2009 hat das Unternehmen eine neue Streaming-Technologie vorgestellt, die sich vor allem an Medienhäuser richten soll. Eine kurze Video-Einführung von Thomas Knüwer.

9. Dyyno Broadcaster

Der Dyyno Broadcaster ist die wohl einfachste unter den Streaming-Lösungen: Einfach das Desktop-Symbol auf das zu streamende Fenster ziehen – und schon wird der Inhalt ins Internet übertragen. Gedacht ist das System vor allem für die Verbreitung von Computerspiele-Turnieren, jedoch lassen sich diese Möglichkeiten eventuell auch für journalistische Inhalte nutzen.

Eine gute Übersicht über verschiedene Streaming-Portale findet sich auch hier.

Comments (1)

  1. 25. März 2009

    “Obwohl der Dienst an einigen Stellen noch verbesserungsfähig erscheint, ist es die derzeit beste Video-Livestreaming-Lösung im Netz.”
    <<<<< Das freut uns natürlich! Danke schön!

    Wir arbeiten weiter an der Usability, Stabilität und Funktionsumfang. Lasst Euch überraschen ;-)

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