26. Mai 2009

Wie nehmen Leser Links wahr?

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Creative Commons License photo credit: tim caynes

Ohne Links wäre das Internet tot. Links zu setzen ist also erste Internet-Pflicht. Aber wie nehmen die Nutzer Links am besten wahr? Diese Frage entwickelte sich während eines Workshops in der vergangenen Woche.

Fett, unterstrichen, farbig – es gibt mehrere Möglichkeiten, Worte im Text als Links zu kennzeichnen. Das gilt jedoch nicht nur für das Design, sondern auch für die Platzierung der Links im Text.

Usability-Ikone Jakob Nielsen hat aus Nutzersicht zwei Kernforderungen an Verlinkungen gestellt:

  • Usability, d.h. Links müssen als solche erkennbar sein
  • Reliability, d.h. die Nutzer müssen problemlos erkennen können, was passieren wird, wenn sie auf den Link klicken. Kurz gesagt: Verlässlichkeit, Vorhersehbarkeit und Nachvollziehbarkeit.

Nielsens Forderungen gehen noch weiter:

  • Links sollen farbig abgehoben werden und unterstreichen sein
  • Wenn der Link farbig ist, muss er nicht unbedingt unterstrichen sein, wenn er Teil der Navigation ist
  • Keinen Text unterstreichen, der kein Link ist
  • Unterschiedliche Farben für Mouse-over, besuchte Seiten, etc
  • Keinen Text in der Linkfarbe zeigen, der kein Link ist

Formatierung: Vielen Webdesignern stehen bereits jetzt wohl schon die Haare zu Berge. Vor allem mit dem Unterstreichen hat der CSS-Entwickler heute so seine Probleme. Nielsen hingegen behauptet, in den letzten 20 Jahren habe sich die Unterstreichung als Kennzeichnung eines Links eingebürgert. Ob das auf die jüngere Nutzergruppen im Netz immer noch zutrifft, geht aus seinen Daten nicht hervor. Ich würde es mittlerweile eher bezweifeln.

Auch der Vorschlag, Links könnten fett und/oder farbig dargestellt werden, kann problematisch sein. Ist zum Beispiel in einem durchschittlichen 50-Worte-Absatz ein fetter, farbiger Link eingebaut, hat das Auge fast gar keine andere Chance, als erst einmal die hervorgehobenen Worte zu scannen. Automatisch wird der Leser vom normalen Lesen abgelenkt. Das ist besonders problematisch, wenn es sich um den verlinkten Text nur um einen Nebenaspekt handelt.

Blog-style-Links: Was soll eigentlich verlinkt – und damit grafisch hervorgehoben – werden? Oft bieten sich zwei Möglichkeiten:

1. Den Namen der Quelle, auf die verlinkt wird:

Screenshot: fritz.de

Screenshot: fritz.de

2. Der Tenor des Beitrags auf den verlinkt wird.

Screenshot: fritz.de

Screenshot: fritz.de

Die zweite Variante hat sich mittlerweile vor allem in Blogs zum Standard entwickelt. Jedoch macht die grafischen “Betonung”  es dem Leser doppelt schwer. Durschnitts-Internetnutzer würden wahrscheinlich die erste Variante bevorzugen, weil sie den Lesefluss nicht so stark unterbricht und klar macht, wohin der Klick auf den Link führt.

Update 04.06.2009: In Telepolis überlegt Burkhard Schröder “wie man Links setzt, warum und wohin?” Sehr lesenswert!

Comments (1)

  1. 27. Mai 2009
    Joachim said...

    Hält Nielsen seine Vorschläge – unterstrichene / gefettete Links – bis heute aufrecht? Die stammen meines Wissens ja aus einer der ersten Untersuchungen Ende der 90er Jahre. Ich glaube nicht, dass man das heute noch so gelten lassen kann. Auch Nielsens These, man müsse Schlüsselworte im Text fetten, halte ich – zumindest bei journalistischen Texten – für nicht mehr zeitgemäß. Das stört doch alles nur den Lesefluss. Links kann man dezent markieren und mit Mouse-over Unterstrich versehen und Texte so strukturieren, dass Schlüsselworte als Anker in Zwischenüberschriften auftauchen.

    Wie sieht’s eigentlich aus mit dem alten Diskurs “Im Text verlinken” vs. “Links außerhalb des Textes platzieren”? Gab’s dazu Erkenntnisse im Workshop?

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