In Recherche-Workshops stellt sich immer wieder die gleiche Frage: Dürfen Journalisten für einen Artikel oder Bericht direkt aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia zitieren oder nicht?
Spätestens seit der Geschichte mit dem “Wilhelm” zu Guttenberg (die ganze Geschichte gibt es im BildBlog) ist die Meinung vieler Teilnehmer (und auch meine): Eher die Finger davon lassen! Als Recherche-Einstieg sind die Artikel oft brillant und hilfreich, als Primärquelle für Informationen nicht.
Und was macht das “Sturmgeschütz der Demokratie” (Herausgeber Rudolf Augstein), der “Spiegel”? Druckt eine Grafik über gefallene deutsche Soldaten in Afghanistan, deren Daten auf einen Eintrag in der englischen Wikipedia basieren.
Auf der Wikipedia-Seite sind alle Toten genau aufgelistet, immer mit einer Quelle. Das Paradoxe: Oft ist die Quelle der Spiegel selbst, seltener die Bundeswehr und andere Medien, wie der Focus. Warum also verweisen die Spiegel-Grafiker auf die Online-Quelle anstatt – wie sonst auch – selbstbewußt zu schreiben: “eigene Recherche”?




