
photo credit: Edgar Zuniga Jr.
Ich erinnere mich noch gut an den Jahreswechsel 2007/2008, als die US-Immobilienkrise begann, nach Europa und auch nach Deutschland überzuschwappen. Damals war ich als Volontär beim ARD Morgenmagazin und durfte – in aller Kürze – erklären, wie das ganze passieren konnte und was das für den Otto-Normal-Deutschen bedeutet (Das Video ist leider nicht mehr im Archiv). Mir war damals schon klar, dass das Thema Stoff bietet für jahrelange tägliche Berichterstattung – und so kam es dann auch.
Dabei ist es selbst für Journalisten, die sich seit Jahrzehnten mit Finanz- und Wirtschaftsthemen auseinandersetzen, schwer, die komplizierten Zusammenhänge zu verstehen – und einen Schritt weiter zu gehen: Es nämlich den Mediennutzern verständlich zu vermitteln.
Erklärungsversuche
Herausragendes Beispiel in Deutschland war die zurecht vielgelobte, seitenlange Titelgeschichte “Der Bankraub” des Spiegel (hier im Volltext nachzulesen). In den USA wurde ein Radioredakteur des öffentlich-rechtlichen Senders NPR durch ein Feature bekannt, das für viele Hörer zum ersten Mal die Hintergründe der Krise verständlich machte. Die Sendung “The Giant Pool of Money” kann man sich hier anhören.
Planet Money
Der Wunsch, dass sich einfach jemand hinsetzt und erklärt, wie unserer Wirtschafts- und Finanzsystem mittlerweile funktioniert, war so groß, dass sich schnell daraus eine neue Sendereihe entwickelte: Planet Money. (Blog- und Podcast-Link). Am Anfang täglich, mittlerweile 2-3 Mal in der Woche erklären Adam Davidson und seine Kollegen, wer nochmal dieser Keynes war, welche Fachsprache sich in der Wirtschaftswelt herausgebildet hat oder was eigentlich Derivate sind.
Alte Senderstrukturen aufbrechen
Interessant ist, dass es sich bei der Sendung um ein Angebot exklusiv für das Internet handelt – in Form eines Podcasts. Die Sendung wird nicht im linearen Rundfunk ausgestrahlt. Beim Guardian Media-Talk mit Jeff Jarvis (Webseite | Podcast) erzählt Adam Davidson, wie es dazu kam. Es habe eine riesige Nachfrage nach verständlich vermitteltem Erklär-Journalismus gegeben – vor allem was Finanzthemen angeht. Das größte Problem für Davidson war, den Kollegen im Haus zu erklären, was er mache: Eine Radio-Sendung? Eine Webseite? Irgendetwas dazwischen? “Es war ein harter Kampf”, so Davidson. Aber einer, der sich gelohnt hat.



