Gestern war ich mal wieder in Berlin, um Bilanz zu ziehen – oder besser: ziehen zu lassen. Ich habe das Abschlusstreffen der “Bloggertour 2010″ moderiert. Die Tour ist Teil des Besuchsprogramms des Auswärtigen Amts, in dessen Rahmen seit mehr als 50 Jahren internationale Gäste nach Deutschland eingeladen werden. Neu diesmal: Zum ersten Mal waren 15 Blogger zu Besuch – und zwar aus Ländern wie Nigeria, Kroatien, Costa Rica, Bahrain, Saudia Arabien, Singapur, Ägypten oder China.
Während der zehntägigen Tour haben sich die Blogger mit der Crème de la Crème der deutschen Blog- und Onlinejournalismus-Landschaft getroffen. Unter ihnen z.B. Robin Meyer-Lucht (carta.info), Jens Berger (spiegelfechter.de), Matthias Spielkamp (immateriblog.de), Christoph Dernbach (dpa info.com), Gregor Hackmack (abgeordnetenwatch.de) und Markus Beckedahl (netzpolitik.org). Dazu gab es politische Gespräche u.a. mit Markus Löning, dem Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe.
Extrem ist der Druck unter denen viele der Blogger in ihren Heimatländern stehen – Bedrohung und Schikane seitens der Behörden ist an der Tagesordnung. Und trotzdem schätzen viele ihre publizistische Wirkung sehr bescheiden ein: “Vielleicht sind wir ‘watch dogs’ – aber wir können nur bellen – beißen können wir nicht”, sagte ein Teilnehmer aus Ghana. Er könne nur auf Probleme aufmerksam machen, damit sich etwas ändert, müssen Politiker, Gesetzgeber oder die Bürger selbst etwas ändern. Erstaunlich aber, dass viele Diskussionen, die in Deutschland noch geführt werden (z.B. ob Blogger und User die traditionellen Medien bedrohen) in vielen Ländern der Teilnehmer keine Rolle mehr spielen.
Unterm Strich ein bemerkenswerter Ansatz des Auswärtigen Amts, unabhängige Blogger (die mit nur einer Ausnahme nicht von ihrem Online-Engagement leben können) einzuladen. Den meisten wird die Reise einen “Push” gegeben haben: “Vor allem, weil wir gesehen haben, dass wir nicht alleine sind – sondern dass andere Blogger in anderen Ländern der Welt die gleichen Probleme und Ängste haben.”
