Unter den Online-Nutzer gibt es offenbar eine große Zahl an astronomisch Interessierten. Spiegel Online jedenfalls platziert immer wieder Meldungen von Raketenstarts, Weltraummissionen oder der Planetenforschung prominent auf der Webseite. Dagegen kann eigentlich niemand etwas haben – wenn es denn ordentlich recherchiert wäre.
Auch heute gab es wieder so einen Fall: "Tandem-X" funkt faszinierende Bilder zur Erde"
Tolle Sache – und nach dem Lesen des Artikels wollte ich mir noch die Satelliten-Bilder in voller Pracht ansehen. Also auf die Seite des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt – und voilà, dort waren sie auch schon, in sehr hoher Auflösung (teilweise ca. 12MB).
Auch hier war eine Pressemitteilung beigefügt – deren Inhalt mir jedoch bereits ziemlich bekannt vorkam. Stimmt, das meiste hatte ich bereits beim Spiegel gelesen. Da ich nun mal nicht vermute, dass die DLR-Leute von den Hamburger Kollegen abgeschrieben haben, muss es wohl umgekehrt gewesen sein (laut Autorenkürzel wurde offenbar noch Agenturmaterial verwendet – aber offenbar hatte die Agentur auch nicht mehr als die Pressemitteilung). Hier ein paar Beispiele.
Pressemitteilung DLR:
Aufgenommen wurden die Daten gestern Nachmittag um 16.55 Uhr. "Damit haben wir den Weltrekord bei der Erstellung von Satellitenbildern gebrochen", sagt Projektleiter Dr. Manfred Zink vom Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsystem. Damals lag nach 4,5 Tagen die erste Aufnahme vor, bei TanDEM-X konnte das Team schon drei Tage und 14 Stunden nach dem Start um 4.14 Uhr am 21. Juni 2010 Daten herunterladen.
Spiegel Online:
Schon mit seinen ersten Bildern übertrifft der Radarsatellit "Tandem-X" seinen Zwillingssatelliten "Terrasar-X". Nur drei Tage und 14 Stunden nach dem Start, funkte der Satellit zum ersten Mal Aufnahmen aus dem Weltall. "Damit haben wir den Weltrekord bei der Erstellung von Satellitenbildern gebrochen", sagte Manfred Zink vom DLR.
Pressemitteilung DLR:
Selbst das Auf und Ab der Wellen im Indischen Ozean – auf der Aufnahme gelblich eingefärbt – zeichnet TanDEM-X bei seinem Überflug mit einer Geschwindigkeit von 7 Kilometern in der Sekunde auf.
Spiegel Online:
Auf-und Ab der Wellen im indischen Ozean (siehe Fotostrecke, gelblich eingefärbt) konnte "Tandem-X" auf seinen Bildern einfangen. Und das, obwohl er den Globus mit einer Geschwindigkeit von 7,6 Kilometer pro Sekunde umrundet – das sind etwa 27.000 Kilometer pro Stunde.
Pressemitteilung DLR:
"Das ist schon ein ordentlicher Meilenstein", sagt Michael Bartusch, Projektleiter der TanDEM-X-Mission beim DLR-Raumfahrtmanagement in Bonn, zufrieden. Zu Beginn begleitete er den Satelliten beim Transport nach Baikonur, zum Start saß er dann im German Space Operations Center (GSOC) des DLR in Oberpfaffenhofen. "Mit der Aufnahme haben wir die Gewissheit, dass der Radarsatellit ohne Probleme arbeitet."
Spiegel Online:
"Mit der Aufnahme haben wir die Gewissheit, dass der Radarsatellit ohne Probleme arbeitet", sagt Michael Bartusch, der Projektleiter der Tandem-X-Mission.
Natürlich kann man sagen: Ist ja nicht so schlimm. Schließlich haben wir damals bei unserer Lokalzeitung auch immer die Pressemitteilungen der ortsansässigen Vereine fast unbearbeitet abgedruckt.
Auch wenn es vielleicht vielfach üblich ist – der Artikel ist kein Paradebeispiel fürs Recherchehandbuch.
Kurzer Nachtrag: Ich frage mich gerade, ob die Verlegerverbände genau solche Texte meinen, wenn sie (z.B. am kommenden Montag wieder) für ein Leistungsschutzrecht plädieren.

