Foto: Kirkland House, Harvard – birthplace of Facebook – von rorycellan auf Flickr – CC-Lizenz.
Facebook und andere Social Media-Plattformen werden immer wichtiger für Nachrichtenseiten im Netz. Umso wichtiger ist es für Nachrichten-Webseiten, ihre Inhalte vernünftig auf diesen Plattformen zu verkaufen. Wie das erfolgreich funktionieren kann, dazu hat Facebook selbst einige Hinweise gegeben.
Background: Warum die Bedeutung von Facebook zunimmt
Wir leben in einer Link-Ökonomie – das behauptet zumindest Web-Guru Jeff Jarvis. Wer andere dazu bringt, auf sein Angebot zu verlinken, hat viele Vorteile. Bislang war Google die wichtigste Webseite, die Internet-Nutzer auf Nachrichtenportale gelenkt hat. Doch das ändert sich derzeit rapide.
Facebook wird immer wichtiger (laut Facebook steigerte sich die Anzahl der “Referrals” für eine durchschnittliche Medienorganisation um 300% in 2010). Denn für viele wird das Social Network die erste und wichtigste (vielleicht einzige Seite) die sie ansteuern. Bei vielen sogar schon vor dem Aufstehen. Man sucht nicht mehr nach Nachrichten, sondern erwartet, dass die Nachrichten dahin kommen, wo man sich bewegt.
Der Vorteil für die Nachrichten-Webseiten: Da die Facebook-Links entweder Empfehlungen von Freunden sind oder der Nutzer selbst zuvor die Status-Update via “Like”-Button abonniert hat, ist die Bereitschaft offenbar größer, die Texte auf den Webseiten in der Tat zu lesen.
Die Tipps vom Facebook-Mann (und anderen)
Wie also die eigenen Artikel, in denen viele Tage und Stunden Arbeit stecken, richtig auf Facebook verlinken? Vadim Lavrusik, der bei Facebook das Journalisten-Programm betreut, hat dazu einige Tipps parat. Praktisch, denn der Mann muss die Statistiken schließlich am besten kennen. Hier einige Hinweise:
1. Mini-Bloggen statt SMS: Die 420 Zeichen ausnutzen!
420 Zeichen – so lang ist ein Facebook-Posting maximal. Und diese Länge lässt sich auch ausnutzen. Während im Vergleich bei Twitter eigentlich nur eine kurze Headline möglich ist (Mikro-Blogging), bietet Facebook Platz für ein ausformuliertes Statement (Mini-Blogging). Zwei bis drei Sätze sind auf jeden Fall möglich – und sinnvoll, sagt zumindest Vadim Lavrusik. Hier ein Beispiel vom New York Times-Reporter Nicholas D. Kristof:
2. Geschichten verlinken, die für die eigenen Freunde interessant sind
Nur die interessanten Geschichten verlinken! Das ist eine Binsenweisheit – aber in der Praxis gar nicht so einfach. Bei 20-50 Meldungen, die eine durchschnittliche deutsche Nachrichtenseite am Tag produziert fällt die Auswahl schwer. Oder auch nicht: “Die Redakteure sollten sich fragen, welche Geschichten ihre Freunde wohl mit anderen teilen würden und über welche sie sich bei Facebook austauschen würden”, sagt Andy Carvin, verantwortlich für die Social Media-Aktivitäten beim amerikanischen öffentlich-rechtlichen Radionetzwerk NPR.
3. Nicht nur Informationen – auf die Emotionen kommt es an
Interessant sind meistens die Geschichten mit vielen Emotionen. “Wir teilen auf Facebook nur nur informative Geschichten, sondern vor allem solche mit einem emotionalen Zugang”, sagt Ryan Osborn, Social Media-Direktor bei NBC News. Laut Vadim Lavrusik haben emotionale Geschichten sowie provokative, leidenschaftliche Debatten eine bis zu 200-300% höhere Klickrate als andere Beiträge.
Hier ein Beispiel von NBC Dateline:
Manchmal sind es ganz banale Anlässe, die bei einem kollektiv erlebten Ereignis einen Sturm an Reaktionen auslösen kann (frei nach dem Motto “Wetter zieht immer”):
4. Die Nutzer nach ihrer Meinung fragen
Das Tolle an Facebook ist die Niedrigschwelligkeit der Reaktionsmöglichkeiten. Auf den “Like”-Button zu drücken geht schnell und tut nicht weg. Und auch ein Kommentar ist schnell geschrieben. Noch dazu, wenn der Absender auch an den Meinungen seiner “Fans” interessiert ist. Aufforderungen zur Interaktion, sorgsam und nicht allzu übertrieben eingesetzt, wirken fast immer.
Ein anderes Beispiel von der Tagesschau:
Auch hier sind es in der Regel emotionale Fragen, die am besten funktionieren:
Ebenso Fragen, die sich an die Lebenswelt der Nutzer richten:
Wie die Fragen gestaltet sein sollten, darüber scheiden sich die Geister: Während Lavrusik für einfache, leicht verständliche Fragen plädiert, hat Carvin die Erfahrung gemacht, dass kluge, intelligente Fragen besser funktionieren. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass NPR eine überdurchschnittlich gebildete Zielgruppe anspricht.
5. Personalisieren und einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen
Personalisierung kann eine höhere Identifikation mit dem Medium bewirken – wenn diese Person ausreichend bekannt ist. Lavrusik hebt als vorbildliches Beispiel auch hier Nicholas D. Kristof hervor. Kurze, sehr persönliche Eindrücke von der Arbeit des Reporters, meist ergänzt mit einer Aufforderung zu Interaktion oder – wie in diesem Fall – einem kleinen multimedialen Geschenk:
Ein Großteil der Realitätswahrnehmung wird heutzutage durch Massenmedien erzeugt. Die Nutzer dieser Medien wissen das natürlich aus – und sind deshalb sehr interessiert an dem Blick hinter die Kulissen. Ab und zu ein liebevoller Einblick kann deshalb nicht schaden:
Lange ließen viele Nachrichtenwebseiten ihre neusten Beiträge automatisch über den RSS-Feed zu Facebook einlaufen. Klar, das spart Arbeit. Aber: Da hat ein Autor, Reporter oder Korrespondent ewig lang an einem tollen Text gearbeitet – und die Arbeit geht einfach im Facebook-Grundrauschen unter. Schnell noch die Geschichte bei Facebook posten, bevor es an die nächste Meldung geht – so sollte es nicht sein. Genau wie bei Teaser und Überschrift ist auch hier ein wenig Liebe zum Detail gefragt.
Beim verlinken auf Facebook lassen sich Überschrift, der graue Teaser sowie der Kommentar-Text bearbeiten. Zudem kann man ein in dem Artikel dargestelltes Foto als Teaser-Bild auswählen, oder das Foto abwählen. Generell erzielen Links mit Fotos höhere Klickraten:
7. Fünf bis zehn Links pro Tag sind genug!
Vorhin war bereits die Rede von den 20-50 Meldungen pro Tag, die von einer Nachrichtenredaktion online gestellt werden. Aber wie viele sollen verlinkt werden? Hier die Angaben einiger Nachrichtenwebseiten:
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NBC: 5
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Time: 6-8
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NPR: 8-10 (mit mindestens einer Stunde Abstand)
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New York Times: 1-15
Ein schmaler Grat: Einerseits die Nutzer auf die eigenen Geschichten aufmerksam machen, andererseits nicht in Spam-Verdacht geraten, indem man die Timeline der Nutzer zumüllt. Fünf bis zehn sorgfältig ausgewählte Links (siehe oben) sind deshalb eine gute Daumenregel.
Habt Ihr andere Erfahrungen gemacht? Ich bin gespannt!
Hinweis: Die Tipps und Hinweise finden sich im Original bei cyberjournalist.net – da ich sie noch nicht auf deutsch gefunden hatte, habe ich sie hier kurz zusammengefasst.







Hallo Claus,
interessante Zusammenstellung. Der Krause kommt mir sehr bekannt vor …
ob man die 420 Zeichen wirklich ausnutzen soll, kommt wohl ganz auf den Fall an: Hat man wirklich etwas starkes, persönliches zu erzählen – oder will man nur einen Link auf einen normalen Artikel posten? Bei letzterem sollte der Post-Text doch kürzer sein, sonst werden das viele nicht lesen.
Auf jeden Fall müssen in Post-Text und Link-Überschrift Keywords drin sein. Der graue Teasertext ist nicht nur unscheinbar, sondern erscheint auch in manchem Mobilausgaben gar nicht.
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