Kurz protokolliert 11/07/2012: Drohnen-Journalismus, Liveticker, TV-Nachrichten, Videos, Hyperlocal


Drohne, BY-NC-ND 2.0 by Ars Electronica on Flickr

  • Unbemannte Kamera-Drohnen für journalistische Zwecke einzusetzen, ist neu und spannend, schafft aber auch neue ethische Probleme. Was ist mit der Privatsphäre, nicht nur von Promis? Sind bei Geiselnahmen wie in Winnenden oder Utøya bald die Drohnen der Fernsehsender als erste vor Ort? Es scheint an der Zeit, sich Gedanken über einen “Code of Conduct” zu machen. Ein erster Versuch ist hier zu lesen. [Via Marcus Böschs' Twitter Feed]
  • SZ-Onlinechef (und Ex-FTD-Kollege) Stefan Plöchiger macht sich Gedanken über die Geschwindigkeit von Nachrichten, Livetickern und Recherche. Sehr lesenswert. Unter anderem mit folgendem Hinweis:

    “Verboten ist es [], vor dem Copy-Paste-Vorgang das Hirn auszuschalten. Ein paar Routinechecks sind auch im größten Stress Pflicht”

  • Nach dem Start der neuen HBO-TV-Serie “The Newsroom” macht sich Jeff Jarvis Gedanken über die Zukunft von TV-Nachrichten. Er identifiziert neun Punkte, in denen sich (nicht nur die US-) Nachrichtensendungen im Fernsehen ändern müssen. Ein interessanter Punkt: “Joke”! Na ja, vielleicht funktioniert das in Deutschland nicht so gut, wie unlängst das Beispiel der Reaktionen zu Ingo Zamperonis liebevollen Kommentar während des EM-Spiels Deutschland-Italien zeigt.
  • How to make boring things interesting in video” – hinter dieser provokanten Titel verbergen sich fünf interessante Hinweise für gute Videos von Adam Westbrook.
  • Das NiemanLab hat die wichtigsten Erfahrungen aus dem Hyperlocal-Projekten der New York Times zusammengefasst. Interessant: Medienhäuser unterschätzen die Macht von Email-Kommunikation und Newslettern.

Webdesign und IA für NGOs und Hilfsorganisationen

Für ein Projekt habe ich mich kürzlich näher mit dem Thema Information Architecture und Webdesign für gemeinnützige und Hilfsorganisationen beschäftigt. Vor allem die Organisationen, die zu einem großen Teil von Spendengeldern abhängig sind, haben erkannt, wie wichtig das Internet für ihre Arbeit geworden ist. Dazu gehört zum einen eine gut strukturierte und gestaltete Internetseite und zum anderen ein überzeugendes Engagement in den verschiedenen Sozialen Netzwerken.

Bei der Durchsicht verschiedener Webseiten aus dem Bereich fällt auf, dass es im Bereich Webdesign fast überall einen Paradigmen-Wechsel gegeben hat. Dominierten bis vor wenigen Monaten oder Jahren noch der Eindruck, die Seiten müssten möglichst viele Informationen über möglichst viele Projekte bereitstellen, haben fast alle Organisationen ihre Internetauftritte einer massiv Diät-Kur unterzogen. Bis vor kurzem ähnelten viele Seiten vom Webdesign eher einem Nachrichtenportal. Mittlerweile wurde die Informationsfülle und -tiefe oft extrem reduziert. Stattdessen wird sich auf wenige aktuelle Projekte fokussiert.

Beispiel 1: Amercian Red Cross 2008 [via waybackmachine.org]

Beispiel 2: American Red Cross 2011

Einen ähnlichen Weg durchlief die Webseite der Hilfsorganisation Oxfam.

Beispiel 3: Oxfam 2007 [via waybackmachine]

Beispiel 4: Oxfam 2011

Neue NGOs wie zum Beispiel das Projekt “Do Good Lab” aus San Francisco setzten gleich auf eine reduzierte, aber dafür auch eindeutigere Botschaft auf ihrer Webseite. Das “Do Good Lab” stellt in einem Karussell beispielhaft drei Projekte vor, die von Hilfsgeldern unterstützt werden. Der Vorteil: Durch die Größe der Fotos wird eine viel stärkere emotionale Wirkung auf den Betrachter ermöglicht.

Beispiel 5: Do Good Lab 2011

Der Prozess der Informationsreduktion ist schwierig intern durchzusetzen. Nicht immer gelingt er, wie das Beispiel WWF USA zeigt: Eine eigentlich mit sehr viel Liebe gestaltete Webseite, die jedoch den Nutzer mit Informationen erschlägt. Allein die Zahl verschiedenen horizontalen Navigationselemente (im Beispiel rot umrandet) erschlägt den Leser. Es geht viel Zeit verloren, in der man sich erst einmal zurechtfinden muss, bevor man anfängt, Informationen aufzunehmen.

Beispiel 6: WWF USA 2011

Sehr viel besser sieht das bei der britischen Sektion des WWF aus: Klar, schnell zu verstehen und übersichtlicher.

Beispiel 7: WWF UK 2011

Zum Vergleich hier noch die deutsche WWF-Seite:

Beispiel 8: WWF Deutschland 2011


Zusammenfassend lässt sich bei der Begutachtung der Webseiten folgendes feststellen:

1. Emotionale Bilder

Um mögliche Spender anzusprechen, müssen Emotionen geweckt werden. Das lässt sich in erster Linie durch großflächige, hochqualitative Fotos erzeugen. Oft gibt es ein Bilder-Karussell, wobei sechs Elemente wie beim American Red Cross bereits über das empfohlene Maximum hinaus gehen. Richtwert: 3-5 Bilder.
Und der Web-Video-Trend? Gute Fotos funktionieren meiner Ansicht nach meist besser als das beste eingebundene Video: Direkt, ohne Klick und vor allem: Das stehende Foto kann sich stärker ins Gedächtnis brennen als ein flüchtiges Bewegtbild.

2. Spenden-Button

Das für viele wichtigste Element ist natürlich der “Jetzt Spenden”-Button. Dabei hat sich offenbar herausgestellt, dass möglichst rechts oben der beste Platz für dieses Element ist. Wichtig dabei: Andere grafische Bestandteile der Webseite dürfen nicht mit dem Spenden-Button in eine Konkurrenz um die Aufmerksamkeit des Nutzers treten. Frei nach dem C.R.A.P.-Prinzip heißt das: Ein hoher Kontrast zwischen Knopf und dem restlichen Inhalt, und zwar am besten durch Größe, Abstand und Farbe. Am besten gelingt das dem American Red Cross, wobei erstaunlich ist, dass das rot des Spenden-Buttons nicht das gleiche ist wie das rot des Roten Kreuzes im Logo.

3. Spenden-Ziel und Fortschritt

Da immer weniger Menschen sich fest an eine Organisation binden möchten und dieser regelmäßig (monatlich, jährlich) Geld überweisen, wird es für viele NGOs immer wichtiger auf Projekt-bezogene Aktionen zu setzen. Es wird also nicht für die gesamte Organisation gespendet, sondern konkret für einen Anlass (z.B. Erdbebenhilfe) oder ein Projekt (z.B. Schule in Kenia). Immer mehr gehen Organisationen dazu über, konkrete Projekte herauszuheben, dafür ein konkretes Spendenziel festzulegen und das ganze mit einem Spenden-Fortschrittsbalken zu dokumentieren. Prominentestes Beispiel hierfür sind die jährlichen Spendenaufrufe von Jimmy Wales für die Wikipedia.

4. Informationsreduktion & Interessenlevel

Jeder Besucher einer Webseite kommt mit einem bestimmten Interesse auf die Seite – ich nenne das in meinen Seminaren gerne “Interessenlevel”. Manche wollen nur kurz schauen, andere stöbern ohne Ziel, wieder andere suchen ganz gezielt nach Informationen. Im Ideallfall muss eine Webseite alle diese Nutzertypen bedienen. Für NGOs bietet sich eine Informationsreduktion stark an. Aber auch die detailverliebten Nutzer, die Informationen zu möglichst allen Projekten der unterstützten Organisation haben wollen, müssen befriedigt werden. Es muss also neben der “oberflächlichen” Darstellung der Projekten weitere Möglichkeiten geben, in die Tiefe zu gehen. So etwas lässt sich zum Beispiel durch PDFs lösen. Eine weitere Möglichkeit ist der “Geek-Button”, der die Info-Hungrigen zu einer eigenen Projekt-Datenbank führt, wo es weniger um emotional-reportagige Beschreibungen der Projekte geht, sondern nur um die harten Fakten.

5. Text

Je knapper der für Text vorgesehene Platz, umso mehr muss “auf den Punkt” getextet werden. Bei vielen NGOs ist das noch nicht der Fall. Oft werden Begriffe aus dem internen Gebrauch verwendet, die sich normalen Besuchern der Webseite nicht leicht erschließen. Ein anderes Problem ist, dass sich die innere Organisationsstruktur (= Organigramm) auf der Webseite niederschlägt, im schlimmsten Fall 1:1 in der Navigation.

Weiterlesen:

- 8 Tips to Design a Charity Website (mit zahlreichen Beispielen weiter unten)

- Usability Review of Charity Websites Taking the Lead

- Die neue Facebook-Seiten: für NGOs und Kampagnen

Audio Editing in der Cloud: Myna

Der Weg ist klar: Viele Anwendungen wandern vom Desktop-PC in die Internet Cloud, können via Browser also von überall genutzt werden. Dass das für Office-Anwendungen sinnvoll ist, leuchtet schnell ein. Dass nun aber auch Speicher-fressende Anwendungen wie Video- oder Audio-Editoren online verfügbar sind, kann schon verwundern.

Heute bin ich über Myna gestolpert, einem Online Audio Editor. Erster Eindruck: übersichtlich, schlank, verständlich. Kann mit den gängigen Formaten WAV, MP3, OGG, WMA, AAC umgehen und kennt auch die wichtigsten Effekte. Unterm Strich also ähnlich wie die Desktop-Anwendung Audacity. Allerdings: Bei jedem Bearbeitungsschritt ist die Reaktionszeit des Browsers etwas länger als bei einer Desktop-Anwendung – auf die Dauer kann das nerven. [via]

Update: Das gleiche für Videos: JayCut

Video-Slideshow: The Story of Bop

Ehrin Macksey arbeitet als Multimedia-Producer und Journalist in Hanoi und erstellt Video- und Foto-Slideshows. Eine von ihnen ist die "Story of Bop", die bereits mehrfach preisgekrönt wurde. Zurecht wie ich finde.

Flash Journalism – ein paar Beispiele

Für das Seminar Flash Journalism, das ich gemeinsam mit Marcus Brauch für die ARD.ZDF-Medienakademie entwickelt habe, habe ich einige Beispiele aus dem Bereich Flash Journalism und Digital Storytelling zusammen getragen.

Ich habe versucht, die Beispiele in Kategorien einzuordnen – was nicht wirklich einfach ist. Wer Verbesserungsvorschläge und weitere gute Beispiele hat, nur her damit! Hier die Kategorien:

  • Fotos, Audios, Videos darstellen
  • Schematische Darstellung der Wirklichkeit
  • Details eines komplexen System
  • Zeitverläufe sichtbar machen
  • Viele Daten aufbereiten
  • Nutzer(daten) einbinden
  • Spielerisch Informationen vermitteln

Es folgen nicht die knalligsten Animationen, die das Web zu bieten hat, sondern solche, die dem Nutzer journalistischen Mehrwert bieten und redaktionell auch umsetzbar sind. Mehr zu der Diskussion bei Steffen Leidel, Mark S. Luckie und  Mindy McAdams.

Fotos, Audios, Videos darstellen

Days with my father  (Phillip Toledano)

 

Schematische Darstellung der Wirklichkeit

Kingdom of the Blue Whale (National Geographic)

 

Details eines komplexen System

International Space Station (USA Today)

 

History of fabublous Las Vegas (Las Vegas Sun)

Botticelli: Das Rätsel Frau (HR)

Zeitverläufe sichtbar machen

Die Chronik der Öl-Katastrophe (tagesschau,de)

Iraq 5 years in (New York Times)

British History Timeline (BBC)

Tracking US-Airways Flight 1549 (New York Times)

 

Viele Daten aufbereiten

What Britain eats (The Times)

Fixing DC Schools (Wahsington Post)

Presidential Approval Tracker (USA Today)

 

Nutzer(daten) einbinden

50er Jahre Fotoautomat (SWR)

 

Spielerisch Informationen vermitteln

The great flu (Dutch national institute for public health and the envirement)

Das Germanen-Spiel (WDR)

US-Geschichte übersichtlich

Peter von Stackelberg hat eine Grafik entwickelt, die fast 250 Jahre Geschichte der USA auf ein praktisches Posterformat bannen.

Dabei geht es ihm um mehr als nur die historischen Ereignisse:

It is important to emphasize that the timeline is intended to provoke
thought and speculation about the future. Information about the future that
is charted on the timeline is intended not as an absolute prediction of what
the future will hold, but rather a representation of possibilities that need
to be further examined using other futures research methods.

Der ganze Text von Stackelberg findet sich hier. Das Werk im Posterformat (7200 x 5400 px) findet sich auch auf Flickr. [via]

Ideen zum herunterladen von Videos aus dem BBC iPlayer

Der iPlayer der BBC bietet eine Vielzahl an Aufnahmen aus den BBC Radio- und Fernsehprogrammen: Hochglanz-Dokumentationen, Shows oder Serien. Gerne würde man auch aus Deutschland darauf zugreifen und evtl die Filme für den iPod herunterladen. Das Problem: Die BBC macht es ausländischen Nutzern überaus schwer. Es gibt trotzdem Wege, sich auch in Deutschland die Produktionen anzusehen.

Öffnet man den iPlayer von Deutschland, erhält man die Fehlermeldung, dass Video sei in der Region nicht abspielbar. Die BBC-Webseite erkennt anhand der eigenen IP-Adresse, aus welchem Land der Nutzer stammt und sperrt alle Nicht-Briten aus. Ähnlich macht es auch die Videoplatform Hulu.com in den USA.

1. Proxy-Verbindung
Es gibt eine Möglichkeit, dem iPlayer oder Hulu vorzugaukeln, man befände sich nicht in Deutschland, sondern in Großbritannien. Dafür muss der gesamte Internet-Verkehr über einen britischen Server umgeleitet werden. Normale öffentliche Proxy-Server sind – wenn sie überhaupt laufen – in der Regel viel zu langsam für die Datenrate, die ein Breitband-Video erfordert. Nur selten findet sich ein Proxyserver, auf denen das Video halbwegs ruckelfrei läuft. Eine Liste mit Proxyservern – auch sortiert nach Ländern – findet sich hier.

Die BBC-Sendungen lassen sich so ansehen, jedoch nicht herunterladen. Denn dafür wird eine Windows-Desktop-Software benötigt, die auf Adobe Air basiert. In dieser Anwendung lässt sich für die Verbindung kein Proxy-Server eintragen.

2. VPN-Verbindung
Abhilfe schaffen kostenpflichtige Dienste, mit denen ein deutscher Nutzer ein “virtuelles privates Netzwerk” mit dem Server des Anbieters in Großbritannien herstellt. Allerdings: Dieser Dienst kostet pro Monat einige Euro. Für Dauer-Nutzer könnte sich diese Investition jedoch lohnen. Ich selbst habe es noch nicht getestet, aber angeblich lassen sich damit auch die britischen Kanäle des Internet-Fernseh-Dienstes zattoo.com empfangen.

3. Proxy & Jaksta
Wer sich das Geld sparen möchte, kann auch auf eine andere Methode zurückgreifen: Die Software-Anwendung Jaksta “hört” nach der Installation quasi den gesamten Internetverkehr des eigenen Rechners ab und kann URLs von Multimedia-Dateien herausfiltern, automatisch aufzeichnen und auf Wunsch dann auch noch in andere Formate umwandeln (z.B für iPod oder iPhone). Das Programm kostet nach Ablauf der Testphase rund 22 €.

Der Weg ist relativ einfach:

  • britischen Proxy-Server auswählen und in den Browser-Einstellungen aktivieren
  • den BBC iPlayer aufrufen
  • Das Video starten
  • Jaksta startet automatisch den Download

Das gute an dieser Methode: Die Jaksta-Verbindung wird nicht über den Proxy-Server geleitet, der Download ist also relativ fix. Der Nachteil: Das Video liegt anschließend im Flash-Video-Format vor – bei den verschiedenen Encodierungen in andere Formate verliert es an Qualität. Für Handy, iPod & Co. reicht es jedoch allemal – vor allem, wenn es sich um ein BBC HD-Video handelt.

4. URL Snooper
Der URL Snooper funktioniert ähnlich wie Jaksta, auch er “hört” den Internet-Verkehr des eigenen Rechners ab und filtert Multimedia-Dateien heraus. Allerdings kann das Programm nicht für den Download genutzt werden. Erstaunlicherweise erhält man beim Aufruf eines iPlayer-Videos jedoch den Link zu einer MP4-Datei – ich vermutlich qualitativ besser ist als die Flash-Variante. Bislang habe ich jedoch noch keine Möglichkeit gefunden, diese Datei herunterzuladen; es folgt immer eine Fehlermeldung.

5. iPlayer Downloader

Ein schlankes Programm, in dem einfach nur die ID des Videos eingetragen werden muss. Allerdings schlägt bei mir der Download immer fehl, da auch Proxy-Einstellungen nicht möglich sind.

Disclaimer: Dieser Text enthält evtl. Hinweise und/oder Software, deren Benutzung in einigen Ländern und/oder Firmen/Netzwerken nicht gestattet ist.

Nachtrag: Zum Thema Geoblocking noch zwei kleine Anmerkungen.

1.) Theoretisch und praktisch kann man den Anonymisierungsservice TOR dazu nutzen, sich quasi in ein anderes Land einzuwählen. Dafür muss lediglich die Konfigurationsdatei so bearbeitet werden, dass es eine Liste mit festgelegten sog. “Exit Nodes” gibt, z.B. aus den USA oder Großbritannien. Allerdings wird man bei dieser  Methode häufig Probleme bekommen, da die Ausführung von Javascript und/oder Flash verhindert wird.

2.) Es gibt auch kostenlose VPN-Dienste, die sich nutzen lassen (Z.B. blackvpn – da funktioniert jedoch nur der US-Dienst) – die sind sogar so schnell, dass ein problemloses Mediatheken-Surfen möglich wird.