Kurz protokolliert 21/05/2013: Reporterberuf, Wofür Journalisten?, Programmierbare Umwelt

Les reporters
Foto CC-BY-NC-ND von Philippe Moreau Chevrolet auf Flickr

  • Trotz all der neuen digitalen Werkzeuge, der Kern des Reporterberufs hat sich nicht verändert – das glauben jedenfalls die vier Forbes-Journalisten, die in diesem Artikel zu Wort kommen. Aber: Das Internet nimmt in den Recherchen einen wichtigen Platz ein: “Sometimes I feel like a foreign correspondent where the country I’m covering is all the parts of the Internet most people never visit”, sagt zum Beispiel Andy Greenberg.
  • Jay Rosen stellt mal wieder eine berechtigte Frage: “When the users know more than the journalists, what are good journalists supposed to do?” Für das neue Business-Portal Quartz hat er einige Ideen zu dem Thema aufgeschrieben – unter anderem Eight steps to a networked beat.
  • Bill Wasik schreibt in Wired über unsere programmierbare Umwelt: Vom Autofahren bis zum Einkaufen, all das hat sich und wird sich im Zuge der Automatisierung radikal ändern. Allerdings, so Wasik: ” It’s vanishingly unlikely that we’ll ever have a car like KITT or a house like Tony Stark’s Jarvis, chatting us up in urbane British accents about our built-in weapons systems. But someday soon we’ll have a house that can warn us about a flood or keep an eye on our kids or turn off that stove when we forget—acts of genuine intelligence that will enrich our lives far more than any missile launcher ever could.” [via]

Kurz protokolliert 17/05/2013: Verschlafene Verlage, Watchblog für Medizin und Tech, Geschichte des Webs

Where the web was born

Where the web was born. Foto: CC-By 2.0 von Jeremy Keith / adactio von Flickr

 

  • Jan Lerch kann die Ideenlosigkit der Verlage nicht mehr ertragen: “Halten Sie nicht tagsüber arrogant an Print fest, um sich des nächtens verzweifelt dem Netzpessimismus hinzugeben. Jetzt ist – jedenfalls bei uns – noch Zeit umzusteuern. Noch haben Sie die Stellung und die Ressourcen, nutzen Sie sie!” Mehr dazu bei Vocer.
  • Wissenschafts- und Medizinjournalismus ist nicht einfach. Was taugt die neue Studie? Welcher Konzern steckt hinter einer Veröffentlichung? Das Projekt “Mediendoktor” der TU Dortmund schaut den Medien auf die Finger und checkt auf Wahrheitsgehalt und journalistische Sorgfalt. Zusätlich werden zu aktuellen Themen Hintergrundmaterial für Journalistinnen und Journalisten zusammengestellt.
  • So ein Watchblog für die Tech-Presse sei dringen nötig, findet Martin Weigert auf netzwertig.
  • (Web)TV-Tipp: ARTE-Reportage über die Wurzeln des Internets (noch bis zum 21.5. online)

Das höre ich gerade: Meine Podcast-Liste als OPML-Datei

Vor einigen Jahren waren Podcasts ein allgegenwärtiges Thema im Netz. Mittlerweile haben Podcasts den Hype-Zyklus weitgehend durchlaufen und gehören für mich genau so zur täglichen Mediennutzung wie Tageszeitung und News-Webseiten.

Auf meinen mobilen Geräten (Android) nutze ich wie bereits beschrieben die App Podkicker – obwohl ich eine Funktion vermisse, die Liste der Abos oder sogar die genaue Position des letzten gespielten Podcasts zwischen mehreren Geräten zu synchronisieren.

Hier eine Liste mit den Podcasts, die ich zur Zeit abonniert habe (im Austauschformat OPML / Rechtsklick –> “Speichern unter”).

Wie sehen Eure OPMLs aus?

 

Kurz protokolliert 14/05/13: iPhone als Ü-Wagen, AP, E-Books

Der Ü-Wagen für die Hosentasche wird immer realer: SWR nutzt iPhones bei Marathon-Übertragung.

Nach verschiedenen Hacking-Vorfällen hat die US-Nachrichtenagentur AP neue Richtlinien für den Umgang mit Sozialen Netzwerken verabschiedet (pdf).

Wie teuer sollte ein E-Book sein? Im Idealfall 3.99 $ – sagt eine Studie. Subjektiver Eindruck: stimmt.

Wie entwickelt sich die Google Suche weiter? Klar, in Richtung “Semantic Search” hat das Time Magazine herausgefunden.

Matthew Ingram schreibt über “Open Interviews”, also Gespräche, die jeder Journalist und Blogger verwenden kann.

re:publica-Bilanz: Mehr digitale Empathie wagen

Hinweis: Dies ist ein Crossposting des Originalartikels, der sich im Blog der ARD.ZDF-Medienakademie befindet.

re:publica 2013

Wenn die re:publica 2013 eines gezeigt hat, dann dass das mooresche Gesetz tatsächlich Realität ist. Noch nie waren so viele zu Deutschlands wichtigsten Netz-Treffen gekommen. Und trotzdem: Das Wlan-Netz in der STATION in Berlin funktionierte – fast ohne Probleme. In der Vergangenheit war das nicht immer so.

Das exponentielle Wachstum der digitalen Technik, und damit auch der Möglichkeiten, die diese Technik bietet, standen im Zentrum vieler Vorträge und Diskussionen auf der re:publica 2013. „Wir sind gerade erst dabei, das zweite Feld des Schachbretts zu betreten“, sagte Matthias Spielkamp – und meinte damit ein Mashup aus dem mooreschen Gesetz und der Weizenkornlegende der Schachspielerfindung. Gemeint war: Die digitale Revolution ist gerade erst gestartet, die Umwälzungen in den kommenden 10 bis 20 Jahren könnten radikaler sein, als wir es uns heute vorstellen können. Nicht nur dank der Hardware – sondern vor allem durch immer „klügere“ Algorithmen.

Auf die Euphorie folgt die Katerstimmung

Der positive Blick in die Zukunft – das hatten alle bisherigen Auflagen der re:publica gemein. Vor allem im vergangenen Jahr: Politisch hatte die „Netzgemeinde“ (was immer das auch ist) einige Erfolge zu verbuchen. Und mit der Piratenpartei, so dachten viele, seien erstmals Menschen in den politischen Diskurs eingetreten, die neue Digitalwelt verstehen würden.

Auf die Euphorie folgte die Katerstimmung. Ein fast beleidigter Unterton zog sich durch einige der Veranstaltungen. Warum nimmt uns keiner wahr? Das Netz ist mittlerweile allgegenwärtig, aber warum schaffen es Netzthemen nicht in die Diskussion der breiten Gesellschaft?

re:publica 2013

Dueck: „Mehr digitale Empathie wagen“

Selbst schuld, sagte zumindest Ex-IBM-Manager Gunter Dueck. Die digitale Boheme glaube, die richtigen Antworten auf alle drängenden Fragen zu haben, sei im Umgang aber rechthaberisch und nicht kompromissbereit. Statt beleidigtes „ranten“ im Blog, warb Dueck für mehr Empathie in der digitalen Welt. Bevor man sich aufrege, solle man sich erst in den jeweils anderen hineinversetzen – auch im Hinblick auf die Diskussion um die Bandbreitenbegrenzung der Deutschen Telekom. „Wofür braucht man 75 GB? Ich habe mit meinem Handyvertrag 1 GB und erst einmal eine Warnung bekommen, dass ich die Grenze erreicht habe. Können Sie nicht ein wenig Telekom-empathisch sein?“ Vermutlich allerdings wird Herrn Duecks Vertrag nicht von einer Familie genutzt, die via Wohnzimmercomputer Spielfilme (in HD) oder die Mediatheken schaut. Was im Jahr 2013 nun wirklich keine Seltenheit mehr ist.

Dank #Drosselkom werden Geek-Themen salonfähig

Netzneutralität war eines der großen Themen des Treffens – wieder einmal. Denn re:publica-Mitbegründer und Netzpolitik-Aktivist Markus Beckedahl redet seit mehr als seit zehn Jahren darüber. Es scheint so, als freue er sich fast über die Ankündigung der Telekom. Denn dadurch werde das Thema plötzlich auch in Geek-fernen Schichten diskutiert. Aber auch die Geeks kamen auf ihre Kosten, unter anderem beim Panel zu „Neutral Exchanges“ und nicht-staatliche IXPs.

Selbstbefreiung der Daten

Der Kampf für ein möglichst offenes und freies Internet stand zudem bei dem überraschenden Vortrag von Sascha Lobo im Mittelpunkt. Zwar hatte er bereits auf der re:publica 2012 dafür geworben, die eigenen kreativen Inhalte nicht in abgeschlossenen Silos wie Facebook oder Twitter zu versenken, sondern sie lieber offen auf dem eigenen Blog zu publizieren. Aber diesmal wurde es konkreter: Zusammen mit Felix Schwenzel stellte Lobo „Reclaim Social Media“ vor. Das ist eine WordPress-Erweiterung, die alle Aktionen des Nutzers auf Social Media-Plattformen (vom „Gefällt mir“ auf Facebook bis zum „Pinterest“-Foto) auf dem eigenen Blog spiegelt.

re:publica 2013

ARD und ZDF: Mehr Transparenz und Flexibilität gefordert

Was wird aus dem Buch, dem Radio und dem Fernsehen in der digitalen Welt? Das Thema Medienwandel wurde heiß debattiert. Dabei nahm auch die Diskussion um die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen einen breiten Raum ein. Die Forderung: ARD und ZDF müssten flexibler und transparenter werden. Der Darmstädter Journalistik-Professor Lorenz Lorenz-Meyer kritisierte die „byzantinischen Entscheidungsstrukturen“ in den Anstalten und forderte die Öffentlich-Rechtlichen auf, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, anstatt sich an der privaten Konkurrenz zu orientieren.

ARD und ZDF sollten offener sein für interessierte Bürgerinnen und Bürger und Weiterbildungsangebote nach dem Vorbild der BBC-Academy bieten. Und: Es solle eine Online-Datenbank geschaffen werden, die alle Inhalte und Informationen der Sender in einer strukturierten Form enthalten solle. Jeder Internetnutzer solle die Möglichkeit erhalten, diese Daten abzufragen.

In eine ähnliche Richtung geht auch die Initiative des Datenjournalisten Lorenz Matzat. Die Arbeitsgruppe „Open ARD ZDF“ möchte mehr Transparenz schaffen – nicht nur was den Umgang mit den Rundfunkbeiträgen angeht. Die Hälfte der Teilnehmer bei einem ersten Treffen zu dem Thema auf der re:publica waren Mitarbeiter der Öffentlich-Rechtlichen – viele von ihnen begrüßten die Initiative. Ein erstes Projekt könnte sein, darzustellen, wie viele Programmminuten durch die „Depublizierungsvorgaben“ der Rundfunkstaatsverträge jeden Tag für die Nutzer verloren gehen. Diskutiert wird in Zukunft über die Mailingliste und ein Etherpad, zudem gibt es ein Wiki.

Weitere Projekte der Öffentlich-Rechtlichen auf der re:publica:

Und sonst?

Das Internet hat jetzt ein Logo. Und, ach ja, passend zur Katerstimmung wurde natürlich auch über Katzencontent gesprochen…

 

Fotos: Claus Hesseling (CC BY-SA). Mehr auf Flickr.

Kurz protokolliert 03/05/13

Tolle Idee: Insgesamt 120 historische Karten aus allen Teilen der Erde als Layer über Google Maps: http://rumsey.geogarage.com (via engadget)

Was passt nicht in Twitter? Interessante Gedanken in den New Yorker Artikel “A tweet not tweeted” – darin: wie kann man einfach klar machen, dass es sich um Ideen und Gedanken anderer handelt?

Schülerinnen und Schüler der Deutschen Journalistenschule wollen auf der Re:Publica 13 “das schnellste Buch der Welt” schreiben.

Nette Übersicht: The Atlantic recherchiert die schlimmsten Berufe der letzten 2000 Jahre.

Tabelle suchen leicht gemacht: Google experimentiert mit “Tables search

Kurz protokolliert 26/04/2013: Freifunk, Agrarsubventionen, facebook-Analyse

  • Das Team von WolframAlpha hat sich die Facebook-Daten ihrere Nutzer vorgenommen und interessantes herausgefunden: Das viele Nutzer mit 18 ihr heimatliches “Nest” verlassen und den US-Bundesstaat oder ihr Land wechseln, dass die errechnete Durchschnitszahl an Freunden 229 beträgt und der größte Cluster an Freunden durchschnittlich bei rund 100 Personen liegt. http://blog.stephenwolfram.com/2013/04/data-science-of-the-facebook-world/
  • A propos WolframAlpha: Auch Google baut seine semantische Suche aus: Bei meiner in den Workshops genutzten Frage “Wann starb Goethe” erscheint mittlerweile zusätzlich zu dem “Knowlegde Graph” in der rechten Spalte eine eindeutige Antwort zum Beginn der Suchliste: https://www.google.de/search?q=wann+starb+Goethe%3F
  • Die neuen Auswertungen zu den EU-Agrarsubventionen liegen vor – und die Kollegen vom Team Recherche des NDR hat die größten Profiteure ermittelt: http://www.ndr.de/fernsehen/agrarsubventionen105.html
  • Dass das Freifunk-Konzept mehr sein will als nur ein offenes Wlan für alle, zeigt dieses Video, das mein Ex-Schulkollege und Arte-“Karambolage”-Animationsexperte Philipp Seefeld gebastelt hat. Die Musik kommt von Thomas Deittert.
  • Neidisch auf Print: So etwas geht online nicht. Leider.